24h / 48h Produktions-Service
Kostenloser Versand in DE
Lieferländer Europa + CH
Service-Hotline 09721 - 730 73616 (Mo–Fr 9–18:00)

Etiketten für die Pharmaindustrie: GMP, Serialisierung und Reinraum

Die Pharmaindustrie stellt die höchsten Anforderungen an Etiketten: Serialisierung nach EU-FMD, GMP-konforme Dokumentation, Reinraumtauglichkeit und Beständigkeit gegen Sterilisation. Standardlösungen reichen hier nicht. Neben Etiketten für die Pharmabranche produzieren wir auch Etiketten für Lebensmittelbetriebe, Imkereien und die chemische Industrie.

Dieser Branchen-Leitfaden zeigt, welche regulatorischen Anforderungen für Pharmaetiketten gelten, wie Serialisierung und Track & Trace funktionieren und welche Materialien für Reinraum, Kühlkette und Sterilisation geeignet sind. Er richtet sich an pharmazeutische Unternehmer, Lohnhersteller und Klinikapotheken. Weitere Details zur technischen Umsetzung finden Sie im Konfigurator.

Dieser Leitfaden behandelt: Pflichtangaben nach AMG § 10, EU-Fälschungsschutzrichtlinie (FMD) und Serialisierung, Data-Matrix-Codes nach GS1-Standard, GMP-konforme Dokumentation und Audit Trail, Reinraummaterialien (PET, PP, PE), Sterilisationsbeständigkeit (Dampf, EO, Gamma), Kühlketten- und Tiefkühletiketten, Tamper-Evident-Lösungen.

Gut zu wissen: Wenn Sie bereits wissen, welches Material und Format Sie brauchen, können Sie Pharmaetiketten direkt konfigurieren. Für alle anderen lohnt sich zuerst die Beratung in diesem Leitfaden.

Pflichtangaben nach AMG § 10

Das Arzneimittelgesetz regelt die Kennzeichnungspflichten für Fertigarzneimittel. Alle Angaben müssen in deutscher Sprache, gut lesbar und dauerhaft auf Behältnis und Umhüllung angebracht sein.

Pflichtangaben auf der Sekundärverpackung (Faltschachtel)

Pflichtangabe Details
Name und Anschrift Des pharmazeutischen Unternehmers
Bezeichnung Arzneimittelname mit Stärke und Darreichungsform
Zulassungsnummer Zul.-Nr.
Chargenbezeichnung Ch.-B.
Verfalldatum "Verwendbar bis"
Art der Anwendung z.B. "Zum Einnehmen", "Zur Injektion"
Wirkstoff Art und Menge
Darreichungsform und Inhalt Nach Gewicht, Volumen oder Stückzahl
Warnhinweise Soweit vorgeschrieben
Aufbewahrungshinweise z.B. "Kühl lagern (2-8 °C)"
Hinweis auf Packungsbeilage "Packungsbeilage beachten"
Pharmazentralnummer (PZN) Für die Abrechnung in Deutschland
Brailleschrift Arzneimittelname und Wirkstärke (seit 2006 Pflicht)

Primärverpackung: Reduzierte Anforderungen

Für kleine Behältnisse wie Ampullen oder Durchdrückpackungen (Blister) gelten vereinfachte Kennzeichnungsregeln nach § 10 Abs. 8 AMG. Mindestens erforderlich: Bezeichnung des Arzneimittels, Chargenbezeichnung, Verfalldatum, Name des pharmazeutischen Unternehmers (bei Ampullen kann dieser entfallen).

EU-Fälschungsschutzrichtlinie (FMD) und Serialisierung

Seit Februar 2019 müssen verschreibungspflichtige Arzneimittel in der EU zwei Sicherheitsmerkmale tragen:

  1. Eindeutige Kennung (Unique Identifier): 2D-Data-Matrix-Code mit Produktcode (GTIN), Seriennummer, Chargenbezeichnung und Verfalldatum.
  2. Manipulationsschutz (Anti-Tampering Device): Siegel oder Verschluss, der beim Öffnen irreversibel zerstört wird.

Die Daten werden im europäischen Arzneimittelverifizierungssystem (EMVS) gespeichert. Bei Abgabe in der Apotheke wird jede Packung gescannt und gegen die Datenbank verifiziert.

Für Etiketten bedeutet das: Der Data-Matrix-Code muss maschinenlesbar sein (Druckqualität nach ISO 15415). Code-Platzierung nach GS1-Standard. Tamper-Evident-Etiketten als Verschlusslösung möglich.

Data-Matrix-Code und Verifikation

Der Data-Matrix-Code nach GS1-Standard codiert vier Pflichtangaben:

Datenfeld GS1 Application Identifier Beispiel
GTIN (Produktcode) (01) 04012345678901
Seriennummer (21) ABC123XYZ
Chargenbezeichnung (10) 2024A01
Verfalldatum (17) 260131 (JJMMTT)

Optional: Nationale Erstattungsnummer (NTIN/PZN) mit AI (710).

Druckqualität und Verifikation

Der Data-Matrix-Code muss den Anforderungen der ISO/IEC 15415 entsprechen. Die Druckqualität wird in Graden von A (beste) bis F (ungenügend) bewertet. Für die Serialisierung ist mindestens Grade C erforderlich, empfohlen wird Grade B oder besser.

Prüfkriterium Bedeutung
Symbolkontrast Ausreichender Unterschied zwischen hellen und dunklen Modulen
Axiale Ungleichheit Gleichmäßige Modulgrößen
Rasterversatz Präzise Positionierung der Module
Beschädigung Keine fehlenden oder beschädigten Module
Ungenutzte Fehlerkorrektur Reserve für spätere Beschädigungen

Inline-Verifikation in der Verpackungslinie prüft jeden Code unmittelbar nach dem Druck. Nicht lesbare Codes führen zum Ausschleusen der Packung.

Aggregation: Vom Einzelprodukt zur Palette

Die Serialisierung erstreckt sich über mehrere Verpackungsebenen:

Verpackungsebene Beispiel Serialisierung
Primärverpackung Blister, Ampulle, Vial Optional
Sekundärverpackung Faltschachtel Pflicht (Data-Matrix)
Bündel (Bundle) Mehrere Faltschachteln Aggregierter Code
Versandkarton (Case) Karton mit mehreren Bündeln Aggregierter Code
Palette Oberste Aggregationsebene Aggregierter Code

Bei der Aggregation werden die Seriennummern der untergeordneten Ebene mit der übergeordneten Verpackung verknüpft. So lässt sich jede einzelne Packung vom Hersteller bis zur Apotheke zurückverfolgen.

GMP-konforme Etikettierung

Die Gute Herstellungspraxis (GMP) verlangt lückenlose Dokumentation aller qualitätsrelevanten Prozesse.

Dokumentation und Audit Trail

GMP-Anforderung Umsetzung bei der Etikettierung
Etikettenfreigabe Jedes Design durchläuft einen kontrollierten Freigabeprozess
Versionierung Änderungen dokumentiert, alte Versionen archiviert
Chargenprotokoll Verwendete Etiketten der Produktionscharge zugeordnet
Abgleich Verwendete, beschädigte und vernichtete Etiketten dokumentiert
Prüfprotokolle Ergebnisse der Inline-Verifikation gespeichert

Elektronische Signaturen (21 CFR Part 11)

Für den US-Markt und viele internationale Märkte gelten die Anforderungen der FDA 21 CFR Part 11 an elektronische Aufzeichnungen und Signaturen:

  • Validierte Systeme: Software für Etikettendesign und -druck muss validiert sein
  • Zugriffskontrollen: Nur autorisierte Personen dürfen Etiketten freigeben
  • Audit Trail: Alle Änderungen mit Zeitstempel und Benutzerkennung
  • Elektronische Signaturen: Freigaben mit qualifizierter elektronischer Signatur

Etikettenlagerung und Handling

  • Kontrollierter Zugang: Etikettenvorräte vor unbefugtem Zugriff schützen
  • Getrennte Lagerung: Verschiedene Produkte, Stärken und Chargen getrennt lagern
  • Bestandskontrolle: Zu- und Abgänge dokumentieren
  • Verfalldatum prüfen: Auch Etiketten können altern (Klebkraft, Druckqualität)
  • Restmengen vernichten: Überzählige Etiketten nach Produktionsende dokumentiert vernichten

Reinraumtaugliche Materialien

In der pharmazeutischen Produktion unter Reinraumbedingungen (GMP-Klassen A bis D) gelten strenge Anforderungen an alle eingebrachten Materialien.

Material Eigenschaften Einsatz
Polyesterfolie (PET) Dimensionsstabil, chemikalienbeständig, autoklavierbar Reinraum Klasse A-D, Sterilisation, Langzeitlagerung
Polypropylenfolie (PP) Flexibel, chemikalienbeständig, kostengünstiger als PET Reinraum Klasse B-D, Standardanwendungen
Polyethylenfolie (PE) Flexibel, gute Klebeeigenschaften Weniger anspruchsvolle Pharmaanwendungen
Spezialpapiere mit Schutzlack Eingeschränkt reinraumtauglich, natürliche Optik Sekundärverpackung, Lagerung außerhalb Reinraum

Anforderungen an Reinraummaterialien: Geringe Partikelemission (keine Fasern oder Partikel). Chemikalienbeständigkeit gegen Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Keine Ausgasung (Klebstoff und Material dürfen keine flüchtigen Substanzen freisetzen). Optional autoklavierbar (121 °C, 15-20 Minuten).

Kühlkette und Tiefkühlung

Viele Arzneimittel, insbesondere Biologika, Impfstoffe und Blutprodukte, benötigen durchgehende Kühlung.

Temperaturbereich Typische Produkte Etikettenanforderung
2 bis 8 °C Impfstoffe, Insuline, Biologika Kondensatbeständiger Kleber, feuchtigkeitsfeste Folie
Minus 20 °C Tiefgefrorene Blutprodukte, bestimmte Biologika Tiefkühlkleber, kältebeständiges Material
Minus 70 °C und tiefer mRNA-Impfstoffe, Zelltherapeutika Spezial-Tiefkühlkleber bis minus 80 °C, PET-Folie

Sterilisationsbeständigkeit

Verfahren Parameter Geeignetes Etikettenmaterial
Dampfsterilisation (Autoklavieren) 121-134 °C Polyester mit Spezialkleber, wasserfeste Druckfarben
Ethylenoxid (EO) Gassterilisation Die meisten Kunststofffolien geeignet, Papier eingeschränkt
Gammastrahlung Ionisierende Strahlung Spezialfolien (Standardmaterialien vergilben oder verspröden)

Sterilisationsindikatoren: Sterilisationsindikatoren als Etiketten zeigen an, ob der Sterilisationsprozess erfolgreich war. Sie wechseln bei korrekter Temperatur oder Gasexposition die Farbe.

Etikettenarten für Pharmaverpackungen

Faltschachteletiketten und Tamper-Evident

Etikettenart Funktion
Siegeletiketten Verbinden Lasche und Schachtelkörper, zerstören sich beim Öffnen
Void-Etiketten Hinterlassen beim Ablösen sichtbare Schrift ("VOID", "OPENED")
Hologramm-Etiketten Fälschungsschutz durch schwer kopierbare optische Merkmale
Dokumentenfolien-Etiketten Lassen sich nicht unbemerkt übertragen

Ampullen- und Vialetiketten

Kleine Primärverpackungen stellen besondere Anforderungen: kleine Formate (oft nur 10 x 30 mm), zylindrische Oberfläche, Transparenz bei Injektionslösungen, Alkoholwischfestigkeit für die Desinfektion vor Anwendung. Fahnen-Etiketten mit überstehender Lasche erleichtern die Handhabung bei sehr kleinen Behältnissen.

Blisteretiketten

Durchdrückpackungen (Blister) werden oft direkt bedruckt. Etiketten kommen zum Einsatz für: nachträgliche Kennzeichnung bei Parallelimport oder Umpackung, variable Daten (Charge und Verfall) bei vorgedruckten Blistern, Verblindungsetiketten in klinischen Studien.

Praxisbeispiel: Mittelständischer Lohnhersteller

Ein Lohnverpacker für Arzneimittel verarbeitet pro Jahr 50 Millionen Faltschachteln für verschiedene Auftraggeber. 20 verschiedene Produkte mit jeweils mehreren Stärken und Packungsgrößen. Wechselnde Chargen mit kurzen Umrüstzeiten.

Die Lösung:

  • Faltschachteln: Vorgedruckte Etiketten mit Firmierung und Standardtext. Variable Daten (Data-Matrix, Charge, Verfall) per Thermotransferdruck inline.
  • Serialisierung: Track-and-Trace-System generiert Seriennummern, druckt und verifiziert inline. Datenupload an EU-Hub nach Produktionsende.
  • Tamper-Evident: Siegeletiketten mit Void-Effekt verschließen die Faltschachteln nach der Serialisierung.
  • Dokumentation: Alle Druckdaten, Verifikationsergebnisse und Etikettenverbräuche im MES (Manufacturing Execution System) protokolliert.

Investition: Serialisierungslinie ca. 250.000 EUR. Jährliche Betriebskosten (Etiketten, Wartung, Validierung) ca. 80.000 EUR.

Checkliste: Pharmaetiketten beschaffen

Regulatorisch

  • Alle Pflichtangaben nach § 10 AMG berücksichtigt?
  • Serialisierung nach EU-FMD erforderlich?
  • Tamper-Evident-Lösung für Fälschungsschutz?
  • Brailleschrift eingeplant?
  • GMP-konforme Dokumentation sichergestellt?

Material und Technik

  • Reinraumtauglichkeit erforderlich?
  • Sterilisationsbeständigkeit (Dampf, EO, Gamma)?
  • Temperaturbereich (Kühlung, Tiefkühlung)?
  • Chemikalienbeständigkeit (Alkohol, Desinfektionsmittel)?
  • Inline-Verifikation der Data-Matrix-Codes?
  • Konformitätserklärung und Materialzertifikate?
  • Rückstellmuster für jede Charge?
  • Änderungsmanagement (Change Control) vereinbart?

Häufige Fragen zu Pharmaetiketten

Welche Etiketten benötigen eine Serialisierung nach EU-FMD?

Seit Februar 2019 müssen verschreibungspflichtige Arzneimittel in der EU einen Data-Matrix-Code mit Seriennummer tragen. Nicht verschreibungspflichtige Produkte sind in der Regel ausgenommen, sofern sie nicht auf der Positivliste der EU-FMD stehen.

Welche Druckqualität braucht der Data-Matrix-Code?

Mindestens Grade C nach ISO/IEC 15415, empfohlen Grade B oder besser. Inline-Verifikation in der Verpackungslinie prüft jeden Code unmittelbar nach dem Druck.

Welches Material für autoklavierbare Etiketten?

Polyesterfolie (PET) mit Spezialkleber und wasserfesten Druckfarben. PET ist dimensionsstabil und übersteht die Dampfsterilisation bei 121 bis 134 Grad Celsius.

Welches Material für Tiefkühletiketten bis minus 80 Grad?

PET-Folie mit Spezial-Tiefkühlkleber. Der Kleber haftet ab minus 25 Grad Verklebetemperatur und hält bis minus 80 Grad. Das Material darf nicht verspröden.

Was ist ein Tamper-Evident-Etikett?

Ein Siegel- oder Verschlussetikett, das sich beim Öffnen irreversibel zerstört oder eine sichtbare Schrift hinterlässt. Es erfüllt die Anti-Tampering-Anforderung der EU-FMD.

Welche GMP-Anforderungen gelten für die Etikettenlagerung?

Kontrollierter Zugang, getrennte Lagerung nach Produkt und Charge, Bestandskontrolle mit Dokumentation, Rückstellmuster und dokumentierte Vernichtung von Restmengen.

Benötigen wir eine Konformitätserklärung für Pharmaetiketten?

Ja. Der Etikettenhersteller stellt eine Konformitätserklärung aus, die Material, Klebstoff und Druckfarben beschreibt. Materialzertifikate und Prüfberichte gehören zur Lieferdokumentation.

Gibt es Mindestbestellmengen?

Digitale Produktionsverfahren ermöglichen auch kleinere Auflagen. Für klinische Studien oder Markteinführungen sind Testchargen umsetzbar.

Ihre Vorteile bei uns

  • Branchen-Beratung: Material, Klebstoff und Druckverfahren abgestimmt auf Ihren Einsatzbereich (Reinraum, Kühlkette, Sterilisation)
  • Konformitätserklärungen und Materialzertifikate für jede Lieferung
  • PET, PP, PE und Spezialmaterialien für Pharmaanwendungen
  • Siegeletiketten und Tamper-Evident-Lösungen für Fälschungsschutz
  • Tiefkühletiketten bis minus 80 °C
  • Kostenlose Datenprüfung und technische Abstimmung vor Druck
  • Eigene Produktion in Deutschland

Pharmaetiketten anfragen

Pharmaetiketten anfragen

Dieser Leitfaden dient der technischen und regulatorischen Orientierung. Die eigentliche Bestellung erfolgt separat.

Pharmaetiketten konfigurieren Beratung anfragen

Rechtlicher Hinweis: Die Angaben in diesem Leitfaden dienen der allgemeinen Orientierung. Für verbindliche Auskünfte zu Arzneimittelkennzeichnung und Serialisierung wenden Sie sich an die zuständige Landesbehörde, das BfArM oder einen auf Arzneimittelrecht spezialisierten Rechtsanwalt. Wir als Etikettenhersteller liefern Materialien und Konformitätserklärungen. Die Verantwortung für die korrekte Kennzeichnung liegt beim pharmazeutischen Unternehmer.

Über den Autor

Fachberatung Pharmaetiketten der Print Group GmbH & Co. KG, Geschäftsführer Martin Schunk. Wir beliefern seit über 15 Jahren pharmazeutische Unternehmen, Lohnhersteller und Klinikapotheken. Schwerpunkte: GMP-konforme Etikettierung, Serialisierungsprojekte, Reinraummaterialien, Sterilisationsbeständigkeit.

Bewertung des Tages

"Wir haben Kosmetiketiketten bestellt und diese sind hervorragend geworden viel Dank"

- Nicole A